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Praxis

Tarot und Beruf: Karriere, Konflikte und Entscheidungen klarer sehen

Jobwechsel, Projekt, Streit im Team, Kündigung: wie Sie das Tarot bei Berufsfragen als Denkwerkzeug nutzen – mit Beispielen und den Grenzen einer Legung.

Von Mélibée und Joris ·

Tarot und Beruf: Karriere, Konflikte und Entscheidungen klarer sehen
Inhalt(6 Abschnitte)

Beim Thema Beruf kann das Tarot als Denkwerkzeug dienen: Es hilft, eine festgefahrene Lage zu beschreiben, ein Hindernis zu benennen, zwei Wege nebeneinanderzulegen oder die eigene Rolle in einem Konflikt zu erkennen. Es richtet den Blick auf das, was Sie selbst gestalten: Ihre Vorbereitung, Ihre Haltung, Ihre nächsten Schritte. Die Zusage, der Erfolg eines Projekts und die Gedanken Ihrer Vorgesetzten liegen bei anderen. Die beste Frage richtet sich deshalb auf Ihr Handeln, etwa: „Wie gehe ich in dieses Gespräch?“

Ebenso gilt: Eine Legung ersetzt keine Personal-, Rechts- oder Laufbahnberatung. Bei Kündigungen, Verträgen, Abmahnungen oder Mobbing holen Sie sich sachkundige Unterstützung. Das Tarot kann Ihnen helfen, Ihre Prioritäten zu klären, bevor Sie diese Gespräche führen. Im Folgenden finden Sie typische Berufsfragen, passende Legungen, Beispiele und den Rahmen, den Sie kennen sollten.

Gute Berufsfragen stellen

Arbeit ist ein Bereich, in dem viele Menschen wenig Kontrolle empfinden: Entscheidungen fallen anderswo, Umstrukturierungen kommen überraschend, Konflikte schwelen. Entsprechend häufig richten sich Berufsfragen auf das, was andere tun oder was „passieren wird“. Eine Legung wird ergiebig, sobald die Frage zu Ihnen zurückkehrt.

Einige Umformulierungen, die sich bewährt haben:

VorherNachher
Bekomme ich die Beförderung?Was sollte ich zeigen, damit meine Arbeit gesehen wird?
Was denkt meine Chefin über mich?Wie kann ich die Zusammenarbeit mit meiner Chefin verbessern?
Wird die Firma Leute entlassen?Was hilft mir, mit der Unsicherheit in der Firma umzugehen?
Soll ich kündigen?Was hält mich an dieser Stelle, und was zieht mich woanders hin?
Wird das Projekt ein Erfolg?Was ist gerade das größte Hindernis im Projekt, und wo kann ich ansetzen?
Ist das der richtige Beruf für mich?Was gibt mir in meiner Arbeit Energie, und was nimmt sie mir?

Alle Nachher-Fragen sind offen, auf Sie bezogen und begrenzt. Ausführlicher erklärt das unser Artikel zum Stellen der richtigen Tarot-Frage.

Der richtige Zeitpunkt

Berufsfragen tauchen oft zu ungünstigen Zeiten auf: am Sonntagabend, wenn die neue Woche drückt, direkt nach einer unangenehmen Besprechung oder nachts, wenn sich Gedanken im Kreis drehen. In solchen Momenten liest man Karten durch die Brille der Anspannung. Besser ist ein ruhiger Moment mit etwas Abstand – etwa am Samstagvormittag oder nach einem Spaziergang. Wenn eine Entscheidung drängt, etwa weil ein Angebot eine Frist hat, schreiben Sie die Frage trotzdem in Ruhe auf, bevor Sie legen. Fünf Minuten Abstand verändern oft mehr als eine zusätzliche Karte.

Vier Situationen aus dem Berufsalltag

Ein Projekt, das stockt

Sie arbeiten an etwas, das auf der Stelle tritt: ein Bericht, eine Produkteinführung, eine Umstellung im Team. Die Variante Lage – Hindernis – Rat passt hier gut. Angenommen, es erscheinen Der Gaukler (Le Bateleur), Der Papst (Le Pape) und Die Kraft (La Force).

Der Gaukler als Lage: Die Mittel liegen auf dem Tisch, es gibt Ideen und Werkzeuge, aber vieles ist noch unverbunden. Der Papst als Hindernis: Hierarchie, Abstimmungen, Regeln – vielleicht wartet das Projekt auf Freigaben, oder es braucht einen Fürsprecher weiter oben. Die Kraft als Rat: geduldig und beharrlich bleiben, mit Ruhe und guten Argumenten überzeugen. Ein möglicher Satz: „Das Projekt hat, was es braucht; es hängt an Abstimmungen. Ein ruhiges, gut vorbereitetes Gespräch mit den Entscheidern könnte den Knoten lösen.“

Ein Konflikt im Team

Spannungen mit Kolleginnen oder Vorgesetzten gehören zu den häufigsten Anlässen für Berufsfragen. Wichtig ist hier, die Frage auf sich selbst zu richten. Die Variante Ich – die andere Person – die Verbindung hilft, das Dreieck zu sehen. Die Karte der anderen Person beschreibt dabei, wie sie in der Zusammenarbeit auf Sie wirkt – Ihre Erfahrung mit ihr, ganz aus Ihrer Sicht.

Erscheinen zum Beispiel Der Herrscher (L’Empereur) bei „ich“, Der Wagen (Le Chariot) bei „die andere Person“ und Die Mäßigkeit (Tempérance) bei „die Verbindung“, entsteht ein Bild von zwei Menschen, die beide vorangehen und bestimmen wollen. Die Mäßigkeit als Verbindung spricht von Ausgleich: Aufgaben klar verteilen, Zuständigkeiten aushandeln, vielleicht gemeinsam festlegen, wer wo das letzte Wort hat.

Bei ernsten Konflikten – Mobbing, Diskriminierung, Belästigung – ist eine Legung nicht der richtige Weg. Wenden Sie sich an den Betriebs- oder Personalrat, die Personalabteilung, eine Vertrauensperson oder eine externe Beratungsstelle.

Bleiben oder wechseln

Die vielleicht häufigste Berufsfrage. Hier eignet sich der Weg der Entscheidung: Situation, Option A mit ihrer Folge, Option B mit ihrer Folge. Formulieren Sie die Frage so: „Was gewinne ich und was gebe ich auf, wenn ich bleibe – und wenn ich wechsle?“ So sehen Sie beide Seiten auf einmal.

Erscheint beim Bleiben Der Eremit (L’Hermite) mit der Folge Der Gehängte (Le Pendu), erzählt das Bild vielleicht von Rückzug und Stillstand – oder von einer Phase des Innehaltens, die bewusst gewählt sein könnte. Erscheint beim Wechsel Der Narr (Le Mat) mit der Folge Die Sonne (Le Soleil), erzählt es von einem Sprung ins Ungewisse, der zu mehr Lebendigkeit führen könnte. Die Wahl treffen Sie. Die Karten machen sichtbar, was auf beiden Seiten auf dem Spiel steht, und oft merken Sie beim Deuten, welche Seite Sie innerlich längst gewählt haben.

Vor einer Entscheidung lohnt sich trotzdem der nüchterne Blick: Kündigungsfrist, finanzielle Rücklagen, konkrete Angebote, Gespräche mit Menschen, die den neuen Bereich kennen. Wie Sie solche Legungen aufbauen, erklärt unser Artikel zur Drei-Karten-Legung.

Ein Vorstellungsgespräch

„Wie gehe ich in dieses Gespräch?“ ist eine Frage, auf die die Karten reich antworten; über die Zusage selbst entscheiden andere. Eine einzige Karte als Impuls kann reichen. Erscheint Die Päpstin (La Papesse), könnte sie daran erinnern, gut vorbereitet zu sein, zuzuhören und Ihre Punkte in Ruhe nacheinander einzubringen. Erscheint Die Herrscherin (L’Impératrice), eher daran, Ihre Ideen lebendig und selbstbewusst zu vermitteln. In beiden Fällen ist die Karte ein Fokus für Ihre Vorbereitung und damit für den Teil, den Sie selbst gestalten.

Erschöpfung und die Frage nach dem Sinn

Manche Berufsfragen drehen sich um etwas Leiseres als eine Entscheidung, um ein diffuses Gefühl: Die Arbeit läuft, aber sie fühlt sich leer an, oder man ist am Freitag so müde, dass das Wochenende nur noch zur Erholung reicht. Eine Frage wie „Was gibt mir in meiner Arbeit Energie, und was nimmt sie mir?“ ist hier ein guter Einstieg.

Die Variante Was ich zeige – was ich fühle – was ich brauche eignet sich besonders. Erscheint etwa Der Herrscher (L’Empereur) bei „was ich zeige“, kann das auf eine Fassade der Kontrolle hinweisen: Nach außen läuft alles, man funktioniert. Der Gehängte (Le Pendu) bei „was ich fühle“ könnte von Festhängen und Ohnmacht erzählen. Der Stern (L’Étoile) bei „was ich brauche“ von etwas Einfachem: Erholung, Offenheit, eine Quelle, aus der man wieder schöpfen kann.

Wenn Erschöpfung über Wochen anhält, mit Schlafstörungen oder Niedergeschlagenheit einhergeht, ist ärztlicher Rat gefragt. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Die Legung kann dabei helfen, sich das Problem überhaupt einzugestehen.

Karten, die oft mit Arbeit verbunden werden

Auch im Beruf kann jede Karte sprechen. Einige Bilder des Tarot de Marseille werden besonders häufig mit beruflichen Themen verbunden. Ausführliche Beschreibungen finden Sie in unseren Seiten zu den 78 Karten.

  • Die Stäbe unter den kleinen Arkana stehen verbreitet für Antrieb, Tatkraft und Arbeit; die Münzen für das Materielle, also Gehalt, Mittel, Ressourcen.
  • Der Gaukler (Le Bateleur): Anfang, Geschick, die Werkzeuge in der Hand – ein neuer Job, ein neues Projekt.
  • Der Wagen (Le Chariot): Vorankommen, Ehrgeiz, Steuern eines Vorhabens.
  • Der Herrscher (L’Empereur): Struktur, Verantwortung, Führung, Organisation.
  • Der Papst (Le Pape): Hierarchie, Weitergabe von Wissen, Mentoring, Regeln.
  • Die Gerechtigkeit (La Justice): Abwägen, Verträge, faire Bewertung.
  • Das Rad des Schicksals (La Roue de Fortune): Wechsel, Zyklen, Umstände, die von außen kommen.

Diese Zuordnungen sind Ausgangspunkte. Der Herrscher kann in einer Berufsfrage ebenso eine starre Hierarchie beschreiben, unter der Sie leiden, wie Ihre eigene Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Die Position und die Frage geben den Ausschlag.

Die Grenzen einer Legung im Beruf

Damit das Tarot ein hilfreiches Werkzeug bleibt, lohnt es sich, seinen Platz neben anderen Formen der Unterstützung zu kennen:

  • Kein Ersatz für Rechtsberatung. Abmahnung, Kündigung, Aufhebungsvertrag, Zeugnis: Hier zählen Fristen und Paragrafen. Wenden Sie sich an eine Fachanwältin für Arbeitsrecht, eine Gewerkschaft oder den Betriebsrat.
  • Laufbahnfragen verdienen eine eigene Beratung. Wenn Sie einen Berufswechsel überlegen, sind Gespräche mit Menschen aus dem Zielbereich, Weiterbildungsberatung oder ein Coaching oft entscheidend.
  • Ihr Blick bleibt bei Ihnen. Ob ein Kollege intrigiert oder eine Vorgesetzte Sie fördern will, erkennen Sie am Verhalten im Alltag. Bleiben Sie bei dem, was Sie beobachten und was Sie selbst beeinflussen können.
  • Keine Gesundheitsdiagnose. Wenn Arbeit Sie krank macht – Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Angst –, gehört das zu einer Ärztin oder einem Therapeuten. Eine Legung kann helfen, das Thema überhaupt anzusprechen.

Wie wir das Tarot als Spiegel für Ihr eigenes Nachdenken verstehen, beschreibt unser Artikel Tarot als Spiegel.

Vom Deuten zum Handeln

Eine Berufslegung ist erst dann nützlich, wenn sie zu etwas Konkretem führt. Drei kleine Gewohnheiten helfen dabei:

  1. Ein Satz, ein Schritt. Notieren Sie nach der Legung neben Ihrem Zusammenfassungssatz auch einen konkreten Schritt für die nächsten zwei Wochen: ein Gespräch vereinbaren, eine Bewerbung schreiben, eine Aufgabe abgeben, sich über eine Weiterbildung informieren.
  2. Mit einem Menschen sprechen. Erzählen Sie einer vertrauten Person, was Sie aus der Legung mitnehmen. Sobald Sie es in eigenen Worten erklären können, ist es klar genug, um danach zu handeln.
  3. Nachlesen. Notieren Sie die Legung und lesen Sie sie nach einem Monat erneut. Was hat sich bewegt? Was haben Sie getan? Wo haben die Karten auf etwas hingewiesen, das Sie anfangs lieber übersehen hätten?

So wird das Tarot im Berufsleben zu dem, was es gut kann: einem Moment der Klarheit zwischen zwei Terminen. Wenn Sie eine berufliche Frage gerade beschäftigt, können Sie eine Legung in unserer App machen, etwa mit dem Weg der Entscheidung. Was Sie aus der Deutung machen, entscheiden Sie selbst.

Häufige Fragen

Kann das Tarot sagen, ob ich die Stelle bekomme?

Nein. Die Karten richten sich auf Sie; die Zusage hängt von äußeren Faktoren ab: anderen Bewerbungen, Budgets, Entscheidungen anderer Menschen. Eine Legung hilft Ihnen bei dem Teil, den Sie selbst in der Hand haben, nämlich bei der Vorbereitung: Was möchte ich zeigen? Was macht mich unsicher? Was ist mir an dieser Stelle wirklich wichtig? Das sind Fragen, auf die sie hilfreiche Anstöße gibt.

Soll ich nach einer Legung kündigen?

Stützen Sie eine Kündigung immer auf mehrere Grundlagen; die Legung ist eine davon. Die Karten können zeigen, was Sie an Ihrer Stelle hält und was Sie wegzieht, und so die Entscheidung klarer machen. Bevor Sie handeln, prüfen Sie aber die praktische Seite: Kündigungsfristen, finanzielle Rücklagen, Alternativen. Bei rechtlichen Fragen hilft eine arbeitsrechtliche Beratung. Die Karten klären das Warum, die Fachleute das Wie.

Kann ich eine Legung zu einem Konflikt mit Kollegen machen?

Ja, und dafür eignet sich das Tarot gut, solange Sie die Frage auf sich beziehen. Eine gute Form ist „Wie kann ich mit dieser Spannung im Team umgehen?“ – sie führt weiter als die Frage, was der Kollege wohl plant. Die Karten beschreiben dann Ihre Rolle und Ihre Möglichkeiten. Bei Mobbing oder ernsten Konflikten wenden Sie sich an Betriebsrat, Personalabteilung oder eine Beratungsstelle.

Welche Legung passt zu Berufsfragen?

Für ein festgefahrenes Projekt eignet sich die Drei-Karten-Legung Lage, Hindernis, Rat. Für eine Wahl zwischen zwei Wegen, etwa Bleiben oder Wechseln, passt der Weg der Entscheidung mit Option und Folge. Für eine Entwicklung über die Zeit, etwa die letzten Jahre im Beruf, eignet sich Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Legen Sie die Positionen immer vor dem Ziehen fest.

Welche Karten stehen für Arbeit und Karriere?

Jede Karte kann zu Ihrem Beruf sprechen. Im Tarot de Marseille werden die Stäbe unter den kleinen Arkana verbreitet mit Antrieb und Arbeit verbunden. Unter den großen Arkana erzählen etwa der Gaukler von Anfängen, der Wagen von Vorankommen, der Herrscher von Struktur und Verantwortung. Die Bedeutung ergibt sich aber immer aus Position und Frage.

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